Kaffee, Tee und Milch – wie ich heute damit umgehe

Gerade nach einer Krebsdiagnose beginnt man plötzlich, alles zu hinterfragen.
Auch Dinge, die vorher ganz selbstverständlich waren – die Tasse Kaffee am Morgen, Milch im Müsli oder welcher Tee eigentlich gut tut. Ich habe irgendwann gemerkt, dass man sich dabei schnell verrückt machen kann, weil man überall unterschiedliche Meinungen liest. Deshalb wollte ich verstehen, was die Studienlage tatsächlich zeigt und was sich im Alltag wirklich sinnvoll anfühlt.
Beim Thema Kaffee war ich ehrlich überrascht. Früher dachte ich automatisch, Kaffee wäre eher belastend für den Körper. Tatsächlich sieht die Forschung heute aber deutlich besser aus. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Kaffee inzwischen nicht mehr als krebserregend ein und viele größere Studien zeigen sogar eher neutrale oder teilweise positive Effekte.
Kaffee enthält unglaublich viele bioaktive Pflanzenstoffe und einige davon zeigen in Laborstudien sogar hemmende Effekte auf Tumorwachstum. Besonders interessant fand ich die Daten zu Brustkrebs. Dort konnte kein erhöhtes Risiko durch moderaten Kaffeekonsum gezeigt werden. Manche Untersuchungen fanden sogar niedrigere Rückfallraten und bessere Überlebenswerte bei Frauen, die regelmäßig Kaffee trinken. Das wurde unter anderem auch bei antihormonellen Therapien beobachtet.
Was mich zusätzlich beruhigt hat: Kaffee scheint auch für die Leber eher günstig zu sein. Studien zeigen Zusammenhänge mit besserer Leberfunktion, weniger Fibrose und einem geringeren Risiko für Lebererkrankungen. Gerade bei Lebermetastasen fand ich diesen Punkt wichtig. Natürlich bedeutet das nicht, dass Kaffee eine Therapie ersetzt, aber moderater Konsum scheint den Körper nicht zusätzlich zu belasten.
Für mich war die wichtigste Erkenntnis: Die Menge macht den Unterschied. Die meisten positiven Daten beziehen sich auf etwa zwei bis vier Tassen normalen Filterkaffee pro Tag. Filterkaffee wird meist besser bewertet als ungefilterte Varianten wie French Press, weil bestimmte Stoffe im ungefilterten Kaffee das Cholesterin erhöhen können.
Trotzdem höre ich inzwischen viel stärker auf meinen Körper. Wenn ich schlecht schlafe, Herzrasen bekomme oder mein Nervensystem sowieso schon völlig überdreht ist, merke ich schnell, dass mir weniger Kaffee besser tut. Besonders während belastender Therapiephasen kann Koffein empfindlicher machen.
Auch bei Tee habe ich angefangen bewusster auszuwählen. Ich sehe Tee als sehr gute, einfach anzuwendende, sanfte Unterstützung. Manche Pflanzen haben tatsächlich interessante Eigenschaften.
Kurkuma-Tee oder goldene Milch werden oft wegen Curcumin genutzt. Curcumin zeigt in Studien entzündungshemmende Effekte und wird immer wieder im Zusammenhang mit Lebergesundheit und Krebsforschung untersucht. Gleichzeitig bin ich bei hochdosierten Varianten vorsichtig geworden, besonders unter Therapie. Als Gewürz oder milder Tee fühlt es sich für mich deutlich stimmiger an als aggressive Extrakte.
Mariendisteltee wird schon lange zur Unterstützung der Leber verwendet. Viele nutzen ihn begleitend bei belastenden Therapien oder Leberproblemen, weil er antioxidative Eigenschaften hat und Leberzellen schützen kann.
Ingwertee hat mir vor allem bei Übelkeit geholfen. Gerade in der Onkologie wird Ingwer oft empfohlen, weil er Magen und Verdauung beruhigen kann. Pfefferminztee nutze ich eher bei Verdauungsproblemen oder wenn mein Magen empfindlich reagiert.
Beim Thema Kräutertees habe ich gelernt, dass "natürlich" nicht automatisch harmlos bedeutet. Einige Pflanzen wirken hormonähnlich und damit möchte ich bei hormonabhängigem Brustkrebs bewusst vorsichtig sein. Dazu gehören zum Beispiel Rotklee, Dong Quai oder hochdosierte Phytoöstrogene aus Sojaextrakten. Moderate Mengen normaler Sojaprodukte sehe ich inzwischen entspannter, aber konzentrierte Präparate vermeide ich lieber.
Was ich ebenfalls beachte: Zwischen Tee und Medikamenten lasse ich meistens etwas Abstand, besonders bei antihormoneller Therapie. Einfach damit der Körper nicht alles gleichzeitig verarbeiten muss.
Beim Thema Milch wurde es für mich komplizierter. Milch enthält natürliche Wachstumsfaktoren und kann den IGF-1-Spiegel beeinflussen – ein Signalstoff, der Zellwachstum und Zellteilung fördert. Genau deshalb wird Milch in der Krebsforschung immer wieder diskutiert.
Dazu kommen kleine Mengen natürlicher Hormone wie Östrogene und Progesteron. Wahrscheinlich ist dieser Effekt nicht riesig, aber bei hormonabhängigem Brustkrebs wollte ich meinen Konsum trotzdem bewusster gestalten. Vor allem hohe Mengen Vollmilch sehe ich heute kritischer als früher.
Einige Studien zeigen Zusammenhänge zwischen hohem Vollmilchkonsum und ungünstigeren Brustkrebs-Verläufen, auch wenn die Daten nicht eindeutig sind. Fermentierte Produkte wie Naturjoghurt oder Kefir schneiden dagegen oft besser ab, vermutlich wegen ihrer probiotischen Wirkung auf die Darmflora.
Deshalb habe ich für mich eher einen Mittelweg gefunden. Ich verzichte nicht komplett auf alles, achte aber viel stärker auf Qualität und Menge. Pflanzliche Alternativen nutze ich mittlerweile häufiger, besonders Mandel- oder Hafermilch. Hafer enthält zusätzlich Beta-Glucane, die positiv auf Blutzucker und Cholesterin wirken können.
Sojamilch fand ich anfangs schwierig wegen der Phytoöstrogene. Die Studienlage ist inzwischen aber deutlich entspannter als früher. Moderater Sojakonsum scheint bei Brustkrebs nicht problematisch zu sein und wird teilweise sogar mit besseren Verläufen verbunden. Trotzdem bevorzuge ich eher natürliche, wenig verarbeitete Varianten.
Was ich inzwischen fast noch wichtiger finde als die Frage "tierisch oder vegan": Wie stark ein Produkt verarbeitet wurde.
Viele vegane Käse- oder Joghurtersatzprodukte wirken auf den ersten Blick gesund, bestehen aber oft aus Ölen, Stärke, Emulgatoren und Zusatzstoffen. Gleichzeitig sind viele klassische Milchprodukte wie Fruchtjoghurts, Schmelzkäse oder stark verarbeitete Aufschnitte ebenfalls hochindustriell verarbeitet.
Ich versuche deshalb heute weniger auf Werbeversprechen zu achten und mehr auf einfache Lebensmittel. Naturjoghurt ohne Zuckerzusatz, fermentierte Produkte, unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkorn fühlen sich für meinen Körper deutlich besser an als künstliche "Gesundheitsprodukte".
Am Ende habe ich gelernt, dass Ernährung bei Krebs selten schwarz oder weiß ist. Für mich geht es inzwischen weniger um Verbote und mehr darum, den Körper möglichst ruhig, stabil und wenig entzündet zu halten – ohne ständig in Angst vor jedem Lebensmittel zu leben.