Chemotherapie

09.07.2026

Als man mir die Diagnose Krebs stellte, hatte ich – wie wahrscheinlich die meisten Menschen – sofort ein bestimmtes Bild im Kopf: Chemotherapie, Übelkeit, Haarausfall und viele Monate voller Nebenwirkungen. Doch je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr wurde mir bewusst, wie sehr sich die Krebsmedizin in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat.

Nicht jeder Patient benötigt eine Chemotherapie und wenn doch, gibt es heute nicht nur die klassische Chemotherapie, sondern auch gezieltere Verfahren, regionale Behandlungen und moderne Therapieansätze, die den Körper teilweise deutlich weniger belasten können. Nicht jede Therapie ist für jede Krebsart geeignet, aber die Möglichkeiten sind heute vielfältiger denn je. Genau darüber möchte ich in diesem Beitrag informieren.

Was ist eine Chemotherapie überhaupt?

Unter einer Chemotherapie versteht man die Behandlung von Krebs mit sogenannten Zytostatika. Diese Medikamente greifen vor allem Zellen an, die sich schnell teilen. Da Krebszellen meist schneller wachsen als gesunde Zellen, können sie dadurch geschädigt oder in ihrem Wachstum gebremst werden.

Allerdings teilen sich auch einige gesunde Zellen im Körper sehr schnell – beispielsweise Haarwurzelzellen, Schleimhautzellen oder die blutbildenden Zellen im Knochenmark. Deshalb entstehen die bekannten Nebenwirkungen einer Chemotherapie.

In den vergangenen Jahren wurden jedoch viele Medikamente weiterentwickelt. Begleitmedikamente gegen Übelkeit, verbesserte Dosierungen und individuell angepasste Therapiekonzepte haben dazu beigetragen, dass viele Patientinnen und Patienten eine Chemotherapie heute deutlich besser vertragen als noch vor einigen Jahrzehnten.

Welche Chemotherapie-Medikamente gibt es?

Chemotherapie ist nicht gleich Chemotherapie. Je nach Krebsart kommen unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz.

Zu den wichtigsten Medikamentengruppen gehören:

Alkylanzien
Sie schädigen das Erbgut der Krebszellen und verhindern deren Vermehrung.

Anthrazykline
Diese Medikamente werden unter anderem bei Brustkrebs, Leukämien und Lymphomen eingesetzt. Sie greifen direkt in die Zellteilung ein.

Taxane
Bekannte Wirkstoffe wie Paclitaxel oder Docetaxel blockieren die Zellteilung und werden häufig bei Brust-, Eierstock- oder Lungenkrebs verwendet.

Platinverbindungen
Cisplatin, Carboplatin oder Oxaliplatin gehören zu den wichtigsten Medikamenten bei vielen soliden Tumoren.

Antimetabolite
Diese Wirkstoffe stören den Stoffwechsel der Krebszellen und verhindern ihre Vermehrung.

Welche Medikamente eingesetzt werden, hängt immer von der Krebsart, dem Stadium der Erkrankung und den biologischen Eigenschaften des Tumors ab.

Die Chemotherapie entwickelt sich weiter

Lange Zeit galt: Je höher die Dosis, desto besser die Wirkung. Heute weiß man, dass eine individuell angepasste Behandlung oft sinnvoller ist.

Ein Beispiel ist die sogenannte metronomische Chemotherapie. Dabei werden deutlich geringere Medikamentendosen in kürzeren Abständen verabreicht. Ziel ist es, das Tumorwachstum kontinuierlich zu bremsen und gleichzeitig die Belastung für den Körper zu reduzieren. Für einige Krebsarten wird dieses Konzept bereits erfolgreich eingesetzt, allerdings nicht für alle Tumorerkrankungen.

Auch liposomale Chemotherapien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dabei werden bestimmte Medikamente in winzige Fettkügelchen – sogenannte Liposomen – verpackt. Dadurch gelangt der Wirkstoff gezielter zum Tumorgewebe, während gesundes Gewebe teilweise besser geschont werden kann. Je nach Krebsart können dadurch manche Nebenwirkungen geringer ausfallen.

Regionale Chemotherapie – den Tumor gezielt behandeln

Eine besonders spannende Entwicklung ist die regionale Chemotherapie.

Im Gegensatz zur klassischen Chemotherapie, bei der sich die Medikamente über den gesamten Blutkreislauf verteilen, wird bei der regionalen Chemotherapie nur die betroffene Körperregion behandelt.

Dadurch kann eine wesentlich höhere Wirkstoffkonzentration direkt am Tumor erreicht werden, während der restliche Körper deutlich weniger Medikament abbekommt.

Zu den bekanntesten Verfahren gehören:

  • Isolierte Extremitätenperfusion (ILP) bei Tumoren an Armen oder Beinen
  • Regionale Leberperfusion bei bestimmten Lebermetastasen
  • HIPEC (Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie) nach Operationen im Bauchraum, beispielsweise bei einigen Darm-, Eierstock- oder Bauchfelltumoren
  • Arterielle Infusionschemotherapie, bei der Medikamente direkt über eine Arterie in das betroffene Organ geleitet werden

Diese Verfahren werden ausschließlich in spezialisierten Zentren durchgeführt und kommen nur für bestimmte Tumorerkrankungen infrage. Ob eine regionale Chemotherapie sinnvoll ist, entscheidet ein erfahrenes Behandlungsteam nach sorgfältiger Prüfung.

Gibt es Chemotherapien mit weniger Nebenwirkungen?

Viele Menschen wünschen sich verständlicherweise eine möglichst wirksame Behandlung bei gleichzeitig möglichst wenigen Nebenwirkungen.

Auch wenn es derzeit keine vollständig nebenwirkungsfreie Chemotherapie gibt, versuchen moderne Behandlungskonzepte genau dieses Ziel zu erreichen.

Dazu gehören beispielsweise die regionale Chemotherapie, metronomische Chemotherapien, liposomale Wirkstoffsysteme, individuell angepasste Dosierungen, moderne Begleitmedikamente gegen Übelkeit und Infektionen.

Darüber hinaus werden in einigen spezialisierten Zentren ergänzende Verfahren angeboten, die die eigentliche Krebstherapie unterstützen sollen.

Dazu gehören unter anderem die regionale Hyperthermie, Ganzkörperhyperthermie, Elektro-Hyperthermie, photodynamische Verfahren, Stoffwechseltherapien, immununterstützende Behandlungskonzepte.

Diese Methoden werden als ergänzende Therapien eingesetzt. Für einige Verfahren gibt es bereits vielversprechende wissenschaftliche Untersuchungen, für andere ist die Studienlage bislang noch begrenzt. Deshalb gehören sie derzeit nicht generell zur Standardbehandlung aller Krebserkrankungen. Dennoch interessieren sich viele Betroffene für diese Möglichkeiten und besprechen sie zusätzlich mit ihrem Behandlungsteam.

Krebsmedizin ist heute individueller denn je

Während früher häufig ein einheitliches Behandlungsschema angewendet wurde, richtet sich die Therapie heute immer stärker nach den biologischen Eigenschaften des Tumors und der persönlichen Situation des Patienten.

Neben der klassischen Chemotherapie stehen – je nach Krebsart – heute auch zielgerichtete Medikamente, Antikörpertherapien, Immuntherapien oder antihormonelle Behandlungen zur Verfügung. Diese zählen zwar nicht zur klassischen Chemotherapie, haben die Behandlung vieler Krebsarten jedoch grundlegend verändert.

Deshalb lohnt es sich, nachzufragen, welche Möglichkeiten im individuellen Fall bestehen und ob neben den etablierten Standardtherapien auch spezialisierte Verfahren infrage kommen könnten. Eine gute Aufklärung und gegebenenfalls eine Zweitmeinung können dabei helfen, gemeinsam mit dem Behandlungsteam die beste Entscheidung zu treffen.

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